SharePoint Governance Teil II: Richtlinien

Wie bereits in der Übersicht gezeigt, kommen als nächstes die Richtlinien. Es ist eigentlich egal, in welcher Reihenfolge man die einzelnen Punkte anbarbeitet, wichtig ist nur, dass alle Aspekte vertreten sind. Doch macht es sicherlich Sinn, sich in einem frühen Stadium des Projektes Gedanken über Richtlinien zu machen. Die Frage, welche man sich bei den Richtlinien stellen sollte ist: „Wer soll/darf was ausführen/angehen“ Im Gegensatz zu den Rechten wird hier gefragt, wer nach den Richtlinien etwas angehen/ausführen soll/darf. Es kann nämlich durchaus sein, dass jemand rein von den Berechtigungen her (technisch) etwas tun könnte, was ihm von den Richtlinien her verboten ist (organisatorisch). Meiner Ansicht nach macht es nämlich überhaupt keinen Sinn, alles technisch verbieten und einschränken zu wollen, damit der Anwender wirklich nur noch das tun kann, was er wirklich ausdrücklich darf.

Wo ist denn hier bitte die Eigenverantwortung des Mitarbeiters? Jeder ist für sein Tun verantwortlich. Man kann doch wirklich noch davon ausgehen, dass jeder, der einen Job hat, diesen zur Zufriedenheit des Arbeitgebers ausfüllen möchte. In der Regel arbeiten erwachsene Menschen im Unternehmen mit, welchen man durchaus einen gesunden Menschenverstand zutrauen darf. Jede technische Einschränkung bedarf wieder eines gewissen Management Overheads, der wiederum Kosten verursacht und wertvolle Ressourcen bindet. Und ja, mir ist bewusst, dass es bei einem solchen Ansatz auch schwarze Schafe gibt, die eine solche Situation ausnutzen. Doch diese muss auch man viel eher organisatorisch schären, als mit viel Aufwand und technischem Einsatz die weissen Schafe zu bestrafen. Sehen wir der Tatsache ins Auge: Ist jemand darauf aus, schlechtes zu tun, wird er auch Mittel und Wege finden, auch trotz technischen Hürden. Wer einen Hund schlagen will, findet immer einen Stock.

Ich nehme mal den Good-Guy Bad-Guy Ansatz zum veranschaulichen:

Bad-Guy Ansatz:
Gehen Sie davon aus, dass Ihre Mitarbeitenden nicht in der Lage sind, eigenverantwortlich zu handeln, werden Sie ihnen technische Hürden in den Weg legen und sicherstellen, dass jeder nur seinen Teil der Arbeit im vorgegebenen Prozess verrichten kann. Dadurch wird die Offenheit untereinander gehindert, die Mitarbeitenden werden nicht in eine eigenverantwortliche Position gebracht und können so nur Dienst nach Vorschrift leisten. Dadurch wird Innovation und aktives Mitdenken gehemmt und die Mitarbeitenden werden nicht die grossen Würfe an den Tag legen und einfach nur wie Lemminge den Vorgaben folgen. Was Ihnen wiederum bestätigt, dass Ihre Mitarbeitenden nicht eigenverantwortlich handeln können.

Good-Guy Ansatz:
Gehen Sie davon aus, dass Ihre Mitarbeitenden in der Lage sind, eigenverantwortlich zu handeln, werden Sie alles tun, um eine möglichst offene Landschaft zu bauen, in welcher nur die wirklich notwendigen Einschränkungen gelten und nur die notwendigen Regulierungen aufbebaut werden. Dadurch fördern Sie die Zusammenarbeit und den gegenseitigen Austausch. Sie bestätigen damit Ihr Vertrauen in die Mitarbeitenden und vermitteln ihnen ein Gefühl von Selbstständigkeit und wahrgenommener Eigenverantwortung. Dies wiederum fördert den Innovationsgeist und lässt aktives Mitdenken zu. Mitarbeitende werden auch einmal etwas neues ausprobieren, wobei oft sehr gute Ideen aus so etwas erwachsen können. Jeder bringt seinen Teil ein, was Ihnen bestätigt, dass ein offener Ansatz die beste Lösung ist.

Haben Sie also z.B. ein Corporate Design, dann weisen Sie Ihre Mitarbeitenden per Richtlinie an, dir richtigen Designs zu verwenden. Haben Sie einen bestimmten technischen Aufbau im SharePoint, so erstellen Sie eine Richtlinie, wie Seiten richtig erstellt werden müssen. Oder haben Sie ein bestimmtes Standardlayout, so erstellen Sie eine Richtlinie über die Verwendung von Standardseiten. Lassen Sie so viel Innovation wie möglich zu, ohne Ihre Struktur unwartbar zu machen. Setzen Sie Leitplanken und lassen Sie genügend Spielraum um eine gewisse Bandbreite von Individualität zu ermöglichen. Doch denken Sie daran: Es soll nicht die Devise sein, macht was ihr wollt, sondern eher Hier ist ein Minima und ein Maxima, bewegt euch darin. Ihr könnt zwar viel, aber dürft nicht alles. Schaffen Sie Standards und Guidelines. Brinen Sie den Mitarbeitenden bei, sich in bestimmten Bahnen zu bewegen. Die denkbaren Szenarien sind dabei schier unerschöpflich. Passen Sie das gesamte Paket Ihrer Branche, den gesetzlichen Bestimmungen und Regulatorien an.

So frei wie möglich, so geführt wie nötig. Beim nächsten Mal werden wir das Thema Rollen angehen.

So long, Samuel Zürcher

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